YouTuber Dner fragt in der ZDF-Doku „Like or Dislike“ bei jungen Amerikanern nach, was sie über die Wahl und ihr Land denken. Die Dokumentation, die zuerst nur online verfügbar ist, richtet sich an junge Leute, verzichtet dabei aber auf hippe Jugendsprache. Ein gelungener Versuch, das junge Publikum auch für politische Themen zu begeistern.

Dner fragt nach. Wie ticken die jungen Amerikaner?

Vor etwas mehr als einem Monat reiste Felix von der Laden – auf YouTube bekannt als Dner – für rund zwei Wochen gemeinsam mit einem kleinen Filmteam des ZDF in den USA umher. Während der Reise lud er auch regelmäßig Vlogs auf seinem YouTube-Kanal hoch. Er sprach mit jungen Amerikanern aus verschiedenen Bundesstaaten und mit unterschiedlichen Berufen über deren politische Ansichten. Wer wählt Trump, wer Clinton? Und warum? Dieser Frage möchte die 45-minütige Doku auf den Grund gehen.

Amerikas Jugend ist frustriert

Dner besucht unter anderem im mittleren Westen der USA die Peterson Farm Bros, die auf YouTube mit zahlreichen Musikvideos berühmt wurden. Ihr bekanntestes Video ist eine Parodie des weltbekannten Hits von Psy – ihr sogenannter „Farmer Style“ wurde inzwischen fast 17 Millionen Mal geklickt. Farmer Greg (25) wählt Trump. Er gibt zu, dass Trump ein Risiko sei. „Aber ich habe ja keine andere Wahl“, meint er. Später besucht Dner noch das verlassene Detroit nahe der kanadischen Grenze, welches mit sehr starkem Rassismus, besonders gegen Schwarze, zu kämpfen hat. Viele der Afroamerikaner, die fast 80 Prozent der Stadt ausmachen, fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. „Es ginge nur um die Hautfarbe, und das ist typisch Amerika“, wird kritisiert.

Die Reise geht danach weiter zum „Burning Man“ Festival, das inmitten der Wüste Nevadas stattfindet und eine fast schon apokalyptische Stimmung bietet. Hier lebt für eine Woche eine eigene Gesellschaft, ganz ohne Geld und Kapitalismus. Ein Festival-Besucher meint in der Doku, er glaube, dass dies die Zukunft sei. „Entweder gehen wir unter, oder werden wie auf dem ‚Burning Man'“, sagt er. Viele junge Menschen der „Millenials“-Generation sind frustriert über den aktuellen Wahlkampf. „Ein Stück Scheiße gegen eine körperliche Bedrohung“, kommentiert eine Besucherin des Festivals den aktuellen Wahlkampf. Viele Leute wünschen sich hier bessere soziale Hilfen. In der Wüste Nevadas wird eine linke Alternative zu den aktuellen Kandidaten vermisst, viele hatten große Hoffnungen in Bernie Sanders gelegt. Doch dieser ist nun aus dem Rennen.

ZDF-Doku mit Dner: Like or Dislike?

YouTuber Dner auf dem „Burning Man“ Festival in der Wüste Nevadas (Bild: ZDF/Anja Jeschonneck)

„Jeder hat hier ’ne Waffe“

YouTuber Dner besucht auch eine Highschool in New York. Hier wird klar: Für die Schülerinnen und Schüler ist das Waffengesetz der USA ein wichtiges Thema. Viele finden es beängstigend, dass praktisch jeder eine Waffe besitzen darf. Die Nachrichten über blutige Schießereien und Amokläufe schockieren auch uns in Europa immer wieder. Die hohen Studiengebühren stören ebenfalls viele Schüler, sie fühlen sich auch von der Politik schlecht behandelt. Eine weitere Station der Dokumentation ist der Nachtclub in Orlando, in dem Schwule und Lesben feiern. Mitte Juni wurden hier 50 Menschen getötet, heute erinnert ein Denkmal an die Opfer des schrecklichen Attentats. Junge Aktivisten aus der LGBT+ Community (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) fühlen sich diskriminiert und von der Politik im Stich gelassen.

Es scheinen düstere Zeiten für die USA zu sein, denkt man sich, wenn man Sätze wie diesen hört: „Wir können doch nur verlieren“.

ZDF-Doku mit Dner: Like or Dislike?

Dner sprach in den USA mit jungen Leuten aus seiner Generation (Bild: ZDF/Anja Jeschonneck)

Interessant, ohne lächerlich zu wirken

Obwohl sich die Dokumentation an junge Leute richtet, schafft sie es, unterhaltsam und interessant zu sein, aber zugleich auch informativ und seriös zu bleiben. In die Doku wurden neben professionellen TV-Aufnahmen häufig auch typische Vlogging-Videosequenzen eingefügt, wie man sie eben von Dner kennt. Dies wirkt gerade bei diesem komplexen Thema auflockernd. Mit den „klassischen Jugendsendungen“, die auf hippe Jugendsprache und aufgedrehte Moderatoren setzen, hat die Doku aber wenig zu tun. Mit „Like or Dislike“ ist es dem ZDF bzw. dem Jugendangebot funk gelungen, Politik auch für das jüngere Publikum interessant in Form einer Dokumentation aufzubereiten, ohne aber lächerlich zu wirken. Auch das Feedback der Zuschauer fällt bisher sehr positiv aus.

„Like or Dislike“ wird vorerst exklusiv im Internet ausgestrahlt. In der ZDFmediathek sowie in der App und auf der Website des neuen Jugendangebots funk lässt sich die Dokumentation bereits jetzt ansehen. Außerdem wird die Dokumentation am Sonntag um 10 Uhr auch auf Dners YouTube-Kanal, der kurz vor den 3 Millionen Abonnenten steht, online gehen. Am Mittwoch, den 26. Oktober 2016 0:45 Uhr läuft die Sendung dann erstmals auch im Fernsehen.

»» Die wichtigsten Fakten zur US-Wahl haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

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