Schwere Vorwürfe gegen Goldene Kamera und Funke-Mediengruppe

Die funk-YouTuber Bohemian Browser Ballet äußern schwere Vorwürfe gegen den Goldene Kamera „Digital Award“. Sie werfen der Funke-Mediengruppe vor, die Reichweite der YouTuber für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen sowie umfassend Daten an einen Sponsor weiterzugeben. Auch andere für den Preis nominierte YouTuber sehen dieses Vorgehen kritisch.

Bohemian Browser Ballet wird von funk, dem jungen Angebot von ARD und ZDF, produziert. Seit dem 13. Juni diesen Jahres veröffentlicht das Team regelmäßig satirische und kritische Videos auf ihrem YouTube-Kanal, der derzeit knapp 9.400 Abonnenten zählt sowie auf ihrer Facebook-Seite mit aktuell 32.000 Likes.

Bohemian Browser Ballet sowie Moritz Neumeier sind neben 18 weiteren YouTubern für den „Digital Award“ der Goldenen Kamera nominiert. Der Preis, speziell für Social Media Stars, wird im Februar 2017 erstmalig verliehen. In sechs Kategorien möchte eine Expertenjury mit dem Preis besondere Kanäle oder Videos auszeichnen. Seit 2002 ehrt die Funke-Mediengruppe jährlich mit der Goldenen Kamera deutsche Schauspieler sowie internationale Hollywood-Stars. Der Preis genießt in der Medienbranche ein hohes Ansehen.

Schwere Vorwürfe gegen Digital Award der Goldenen Kamera

In einem Video, das vor knapp einer Woche hochgeladen wurde, werfen die funk-YouTuber nun dem Veranstalter des Medien-Preises vor, die Reichweite der YouTuber zu missbrauchen.

Die veranstaltende Funke-Mediengruppe verschaffe sich durch die Nominierung von 20 reichweitenstarken YouTube-Kanälen kostenlos eine große Reichweite, die sie für ihre eigenen Zwecke missbrauchen würde, lauten die Vorwürfe des funk-YouTube-Kanals Bohemian Browser Ballet.

In einer E-Mail wurden die nominierten YouTuber dazu aufgefordert, für den Preis auf ihren sozialen Netzwerken zu werben. Dies ist auch zwingend nötig, da die Anzahl der Nutzerstimmen entscheidend ist, um den Preis zu gewinnen.

Goldene Kamera weist Kritik ab

Zu den Vorwürfen, die Reichweite der YouTuber für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen, antwortet uns die Goldene Kamera schriftlich per E-Mail:

“Eine User- oder Publikumswahl ist seit Jahren gelernter Bestandteil der GOLDENEN KAMERA und nun auch des Digital Awards. Dabei handhaben wir es immer so, dass wir die zur Wahl gestellten Favoriten vorab informieren und ihnen Material anbieten, mit dem sie ihre Fans aktivieren können, für sie zu voten. Eine Userwahl ohne Publikum ist sinnlos. Würde es uns rein um die Stärkung der Reichweite […] gehen, dann hätten wir ausschließlich die reichweitenstärksten Kanäle zur Abstimmung ausgewählt.

Von den erfolgreichsten und damit zugleich reichweitenstärksten Kanälen haben wir aber gerade einmal zwei aus den Top-Ten auserkoren. Unter den Nominierten fehlen also viele erfolgreiche Kanäle, weil es uns eben gerade nicht um Reichweitenstärke, sondern um die Qualität des Inhalts geht. […]“

Im Abstimmungsprozess muss eine gültige E-Mail-Adresse angegeben werden. Um seine Wahl zu bestätigen, wird an diese Adresse ein Bestätigungslink geschickt. In den Teilnahmebedingungen der Goldenen Kamera steht dabei – geschickt versteckt in einem langen Fließtext –, dass Daten an den Autohersteller Seat weitergegeben werden. Dies geschieht dabei unter dem Vorwand eines Gewinnspiels. Gewinnen kann man aber lediglich eine Testfahrt. Die Kritik: Nutzer werden nur im Kleingedruckten auf die umfassende Datenweitergabe hingewiesen.

Die Goldene Kamera weist die Vorwürfe eines Datenkraken-Verhaltens uns schriftlich gegenüber ab:

“[…] In den Teilnahmebedingungen steht explizit: ‘Durch die Registrierung erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass SEAT und die Goldene Kamera die zur Gewinnerermittlung erforderlichen Daten für die Dauer der Nutzung […] speichert.‘ Es werden also weder Daten für andere Zwecke missbraucht, noch weitergegeben, noch erfasst. […] Im Anschluss werden sämtliche Daten direkt gelöscht. Wir erfassen auch lediglich eine E-Mail-Adresse, also keine weiteren Daten, die User identifizieren könnten. […]“

“[…] Die Eingabe der E-Mail-Adresse ist unabhängig vom Gewinnspiel notwendig. Und, dass Gewinnspiele von einem Partner unterstützt, d.h. incentiviert werden, ist gängige Praxis. Von Datenkraken-Verhalten kann keine Rede sein.“

Comedian Moritz Neumeier, der ebenfalls ein Teil des funk-Content-Netzwerks ist, warnt vor der Datenfreigabe an Seat und bittet seine Fans, nicht für ihn abzustimmen. “Das ist es nicht wert“, schrieb er vor etwa einer Woche auf seinem Facebook-Profil.

Abstimmung läuft noch bis zum 2. Dezember

Bis zum 2. Dezember kann noch abgestimmt werden. Am 18. Februar 2017 soll der Digital Award dann verliehen werden. Verfolgt werden kann die Veranstaltung ab 21.55 Uhr in ZDFneo sowie auf der Webseite der Goldenen Kamera.

YouTuber reagieren auf die Vorwürfe

Wir fragten bei einigen nominierten YouTubern an und baten um ein Statement zu den genannten Vorwürfen gegen die Goldene Kamera.

Alex vom Nachhilfe-YouTube-Kanal TheSimpleClub schrieb uns: “Zu den Vorwürfen können wir wenig sagen, da wir auch nicht wissen, welche Daten genau weitergegeben werden“ Er könne den Schritt absolut verstehen, dass viele reichweitenstarke YouTube-Kanäle nominiert wurden. “Wir würden genauso versuchen, Stars mit einzubeziehen.“ Dies sei eine Win-Win-Situation: “Man wird nominiert und die Goldene Kamera bekommt Reichweite. Das ist grundsätzlich noch nichts Schlimmes.“

Wissens-YouTuber und Journalist Mirko Drotschmann vom Kanal MrWissen2Go findet die Vorwürfe “bedenklich“. Gegenüber den Veranstaltern habe er schon direkt zu Beginn des Votings angemerkt, dass er es schwierig finde, “die Vergabe eines Preises ausschließlich an eine Abstimmung zu koppeln, da die Reichweiten der einzelnen Kanäle sehr unterschiedlich“ sei.

Zu den Vorwürfen, die Goldene Kamera würde Daten abgreifen, meint Mirko: “Grundsätzlich sollte man immer das Kleingedruckte lesen, wenn man irgendwo seine Mailadresse angibt. Aber sollte das Voting tatsächlich dazu genutzt werden, massenhaft Daten abzugreifen, hat das für mich ein ordentlich[es] ‘Gschmäckle‘. Das sollte bei einem derart renommierten Preis nicht der Fall sein.“

Wenn tatsächlich auch noch Daten gesammelt und gespeichert würden, sei dies “ein zusätzlicher Minuspunkt“ für ihn. Er fühle sich zwar geehrt, nominiert zu sein, “aber nur, wenn alles sauber geregelt ist“. Auf die Frage, ob er es legitim finde, dass die Veranstalter die Nominierten dazu auffordern, für den Preis zu werben, antwortet er: “Dass der Veranstalter zum Voting aufruft, ist sein gutes Recht. Es ist den Youtubern dann ja selbst überlassen, ob sie darauf eingehen oder nicht. Auf mich macht die sehr offensive Art, mit der man zur Bewerbung des Votings aufgefordert wird, allerdings einen etwas unseriösen Eindruck.“

Was meint ihr zu den genannten Vorwürfen?

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